24.05.2019

Über den Aufbau eines Buches

Wie ein Buch aussieht, weiß jeder, aber den Unterschied zwischen Einlage und Vorsatz oder Doppelblatt und Umschlag kennen nur wenige. Begriffe des Druckereiwesens sind zum Teil etwas schwierig zu verstehen, wovon wir uns mehrmals bei unserer Arbeit überzeugt haben. Es lohnt sich, Grundbegriffe zu kennen, damit es uns einfacher fällt, sich gegenseitig zu verstehen und damit wir sicher gehen können, dass wir auch dasselbe meinen (obwohl wir genau wissen, dass richtige Kommunikation weit mehr ist als eindeutige Begriffe und Definitionen).

Sämtliche Definitionen findest Du in unserem Glossar. Währenddessen fangen wir etwas untypisch, denn in der Buchmitte, an. Und zwar wortwörtlich.

Das, was die meisten Nichtkenner als Inneres bezeichnen, ist nichts Anderes als der Buchblock, der manchmal auch Seiten genannt wird. Der Buchblock ist der Innenteil des Einbandes, der mit dem Umschlag verbunden wird. Bevor mit dem Unterschied zwischen verschiedenen Buchblöcken fortfahren, erläutern wir kurz den Begriff des Doppelblattes. Bei den Doppelblättern handelt es sich um gefalzte, bedruckte und ineinander gereihte Papierbögen. Daraus kann man den Schluss ziehen, dass ein einzelnes Doppelblatt im Aufbau mit einem 16-Seiten-Heft verglichen werden kann. Ein Buchblock kann aus mehreren einzelnen oder mehreren Dutzenden Doppelblättern bestehen. Grundsätzlich gilt: um Doppelblätter miteinander zu verbinden, muss man sie zusammenbinden. Und hier liegt der Hund begraben, denn bei einem fadengebundenen Buchblock handelt es sich um eine sog. Fadenbindung. Ein klebegebundener Buchblock besteht dagegen aus Doppelblättern, die mit Kleber zusammengeklebt sind.


So sieht ein Buchblock aus – hier ist eine Fadenbindung zu sehen.

Eine Faden- von einer Klebebindung ist bereits auf den ersten Blick zu unterscheiden. Es reicht, wenn man auf die obere Kante des Buchblocks, direkt am Buchrücken, schaut und schon kann man die einzelnen Doppelblätter erkennen. Wenn wir schon mal hier sind, werfen wir noch einen kurzen Blick auf das sog. Kapitalband, ein Bändchen aus Seide oder Baumwolle, das an die Ober- und Unterkante des Buchrückens angeklebt wird und hauptsächlich eine dekorative Funktion erfüllt.


Das Kapitalband ist das pfirsichfarbene Bändchen, das am Buchrücken angeklebt ist.

So viel zum Buchblock, jetzt kommen wir zum Umschlag. Seine Hauptfunktion besteht darin, den Buchblock zu schützen. Wenn der Umschlag aus Karton gefertigt ist, handelt es sich um einen Softcover bzw. eine Integralbindung, für einen Hardcover dagegen wird beschichtete Pappe verwendet.

 


Auf dem Bild oben ist ein Umschlag für einen Hardcover dargestellt – aus mit Papier beschichteter Pappe.

Damit es nicht so einfach ist – ein Umschlag hat ebenfalls Seiten. Wenn wir einen Umschlag mit der äußeren Seite nach oben aufschlagen, befindet sich rechts die erste Seite. Hier sind Titel, Autor und sonstige, für den Leser bestimmte Angaben aufgeführt. Links befindet sich die vierte Seite mit dem sog. Blurb (Klappentext mit einer kurzen Zusammenfassung oder einer Rezension), der ISBN-Nummer oder Angaben zum Autor. Wenn wir den Umschlag mit dem Innenteil nach oben wenden, befindet sich links die zweite und rechts die dritte Seite. Jetzt sind keine peinlichen Erklärungen mehr nötig, wenn wir sagen wollen, „dass etwas am Umschlag hinten, aber nicht so ganz, auch etwas in der Mitte angegeben ist“. Jetzt können wir mit der Zuversicht eines Profis darauf hinweisen, dass „wir diese Infos gerne auf der dritten Seite des Umschlags hätten“. Vielleicht rettet man mit diesem Wissen keine ausgestorbenen Tierarten, es kann trotzdem nützlich sein.

Wenn wir nun einen Buchblock und den Umschlag haben, können wir diese beiden Bestandteile zu einem Ganzen zusammenfügen. Hier sieht die Sache anders beim Soft- und beim Hardcover aus. Bei einem Softcover ist der Buchblock mit dem Buchrücken zusammengeklebt, beim Hardcover gibt es noch ein weiteres Element, dass den Block mit dem Umschlag verbindet, und zwar der Vorsatz. Laut Definition ist das Vorsatzpapier ein gefalztes, bedrucktes bzw. nicht bedrucktes Doppelblatt, meistens mit einer größeren Grammatur, das innen an die Buchdecke geklebt wird und mit dem Buchblock verbunden ist. Klingt kompliziert? Ist es aber nicht, wenn man ein Buch mit einem Hardcover in die Hand nimmt. Wenn wir auf die zweite Seite des Umschlags schauen (siehst Du, wie wichtig die Kenntnis von Fachbegriffen ist), sehen wir ein einzelnes Blatt Papier, das vollständig an den Umschlag bzw. die ersten Seite des Buchblocks geklebt ist. Auf der dritten Seite des Umschlags sieht es genauso aus. Der Vorsatz hat die Aufgabe, das Buch zu stabilisieren und die sich darunter befindende Pappe abzudecken.

Jetzt haben wir die Beschreibung der wichtigsten Bestandteile eines Buches hinter uns. Manchmal besitzt ein Buch zusätzlich noch einen Schutzumschlag, dh. einen bedruckten Papierbogen, der lose um das Buch geschlagen wird. Er schützt das Buch vor Beschädigungen (ein zerrissener Schutzumschlag tut nicht so weh wie ein zerstörter Umschlag).


Dies ist bestimmt nicht das ausführlichste Buchlexikon, aber für den Anfang reicht es völlig aus. In einem kurzen Blogeintrag ist es einfach nicht möglich, alle wichtigen Themen zu erläutern (wir haben beispielsweise weder über die Spiralbindung noch die Rückendrahtheftung gesprochen). Um mehr über Bücher und Druckverfahren zu erfahren, lies unsere weiteren Texte.

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lidia piasecka

Lidia Piasecka

Grafikdesignerin bei Totem.com.pl. Sie schreibt, weil sie es mag, aber nur dann, wenn sie gerade nicht am Zeichnen ist.
Großer Fan von Oldschool-Möbeln, die sie eigenhändig wieder zum Strahlen bringt. Außerdem liebt sie Katzen, Nachtschwärmer und Mumins.

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